Was ist passiert?
Oberbürgermeister Dr. Florian Freund hat am 24. September eine Haushalts- und Wiederbesetzungssperre für Augsburg für das Jahr 2026 erlassen. Beide gelten ab sofort und vorerst für das Haushaltsjahr 2026.
Im Zuge der Haushaltsberatungen für den Doppelhaushalt 2027/2028 wird über das weitere Vorgehen für 2027 entschieden. Bereits im Sommer 2026 hat der Oberbürgermeister angekündigt, dass die Finanzberatungen nicht wie üblich im Herbst stattfinden, sondern auf Februar/ März 2027 verschoben werden. Die Zeit ohne genehmigten Haushalt verlängert sich daher durch die Verschiebung der Finanzberatungen.
Was ist eine Haushaltssperre?
Eine kommunale Haushaltssperre ist quasi die “Notbremse” einer Stadt. Sie ist ein rechtliches Instrument, um auf ein finanzielles Defizit im kommunalen Haushalt zu reagieren. Dabei werden neue Ausgaben deutlich eingeschränkt. Dies bezieht sich auf neue, finanziell noch nicht abgesicherte Vorhaben. Laufende Projekte hingegen sind nicht betroffen.
Was ist eine Wiederbesetzungssperre?
Die Wiederbesetzungssperre gilt für die gesamte Stadtverwaltung und damit für alle Dienststellen der Stadt Augsburg. Von der Sperre betroffen sind freiwerdende oder bereits freie Stellen. Sie können vorerst nicht wieder besetzt werden. Daher ist auch die Ausschreibung, Bewerbungsauswahl, Umsetzung oder Einstellung zur Besetzung einer freien Stelle grundsätzlich untersagt. Eine Wiederbesetzung kann zudem nur in Ausnahmefällen erfolgen.
Wie kam es dazu?
Die angespannte Finanzlage ist kein Augsburger Einzelproblem. Kommunen in ganz Deutschland stehen finanziell massiv unter Druck. Das strukturelle kommunale Finanzdefizit liegt inzwischen bei jährlich rund 30 Milliarden Euro. Der Deutsche Städtetag weist darauf hin, dass Städte selbst nur sehr begrenzte Möglichkeiten haben, die Ursachen dieser Finanzkrise zu bekämpfen.
Neben allgemein steigenden Kosten belasten vor allem zusätzliche Aufgaben und bundesweit wachsende Sozialausgaben die kommunalen Haushalte. Vor ähnlichen finanziellen Herausforderungen stehen derzeit viele Kommunen in Deutschland. Bund und Länder haben in den vergangenen Jahren Leistungen und Verpflichtungen ausgeweitet, ohne die finanzielle Ausstattung der Kommunen entsprechend anzupassen. Hinzu kommen immer wieder gesetzliche Entscheidungen des Bundes, die vor Ort entweder zusätzliche Ausgaben verursachen oder zu Einnahmeausfällen führen. Beispiele dafür sind die Krankenhausfinanzierung und der Rechtsanspruch bei der Grundschulkindbetreuung. Zwar wurden auf Bundesebene inzwischen auch Maßnahmen zur Entlastung der Kommunen auf den Weg gebracht, etwa mit zusätzlichen Investitionsmitteln. Künftig soll zudem das Konnexitätsprinzip stärker gelten: Wenn der Bund Gesetze beschließt, die die Haushalte von Kreisen, Städten und Gemeinden belasten, soll er auch für die dadurch entstehenden Kosten aufkommen – rückwirkend greift dieser Grundsatz allerdings nicht.
Das grundlegende Problem ist außerdem nicht gelöst. Viele Städte stehen deshalb vor der schwierigen Frage, Leistungen einzuschränken, Investitionen aufzuschieben oder ihre eigenen Einnahmen zu erhöhen – beispielsweise über die Grundsteuer.
Ihr habt doch selbst die letzten Jahr regiert. Wie wurde in den letzten Jahren gehaushaltet?
In unserer Regierungszeit war uns immer bewusst, dass wir angesichts der angespannten Finanzlage mit den städtischen Mitteln sehr sorgfältig und vorausschauend umgehen müssen. Deshalb haben wir Prioritäten gesetzt (insbesondere auf den Schulbau) und gezielt Rücklagen gebildet – etwa für den Ausbau von Radwegen oder für wichtige Schulprojekte wie die Albert-Einstein-Mittelschule. Gerade, weil allen bewusst war, dass die Sozialausgaben immer weiter ansteigen und in deren Folge sich auch die Bezirksumlage stark erhöhen könnte, wurden auch für diesen Bereich gezielt und vorausschauend Rücklagen gebildet. All dies ermöglichte es uns, die schwierige Finanzlage im Vergleich zu anderen bayerischen Kommunen ohne Haushaltssperre, ohne Stellenstopp und stattdessen mit genehmigten Haushalten bewältigen zu können.
Natürlich hätten auch wir viele Vorhaben gerne angepackt oder auch schneller umgesetzt, zum Beispiel die Umgestaltung der Fuggerstraße in der Innenstadt oder der Bürgermeister-Aurnhammer-Straße in Göggingen wie auch die Sanierung von Schulturnhallen. Verantwortungsvolle Haushaltspolitik bedeutet aber, Prioritäten zu setzen: Was muss sofort angegangen werden? Wo können Ausgaben gestreckt oder gar eingespart werden? Wie können Projekte finanziell abgesichert werden, um komplett realisiert zu werden, damit nicht “halbfertige” Bauten entstehen, wenn das Geld knapp wird? Wie können Maßnahmen im Haushalt verankert werden, die dringend und wichtig sind, die wirklich umgesetzt werden müssen, aber noch Vorbereitungszeit benötigen? Und wie schaffen wir es, auch in schwierigen Zeiten finanziell handlungsfähig zu bleiben?
Unsere Kritik am Regierungsbündnis mit städtischen Mitteln:
Im vergangenen Jahr hat der Bezirk Schwaben die Bezirksumlage deutlich angehoben. Die Stadt Augsburg hat 2026 dadurch mehrere Millionen Euro mehr abführen müssen. Dank der Rücklagenbildung konnte diese Steigerung im städtischen Haushalt bewältigt werden. Finanzreferent Roland Barth hat deshalb immer wieder auf die angespannte Haushaltslage und die möglichen Folgen für Augsburg hingewiesen. Gleichzeitig hat er mehrfach deutlich gemacht, dass man davon ausgehe, 2026 trotz der schwierigen Rahmenbedingungen noch bewältigen zu können. Im Sommer hat er im Stadtrat aufgrund der sich weiter verschärfenden Finanzlage klar und deutlich formuliert, dass die Lage für die kommenden Jahre dramatisch werden wird.
Umso unverständlicher ist für uns, dass in einer ohnehin angespannten finanziellen Situation der Oberbürgermeister weiterhin das Blaue vom Himmel versprochen hat, die Rücklagen geplündert wurden und Projekte vorangetrieben wurden, die sich vor allem gut verkaufen und fotografieren lassen.
In so einer Situation muss nun endlich im Interesse der Bürger*innen ehrlich über Prioritäten und finanzielle Grenzen gesprochen werden. Gerade weil klamme Kassen heute die Realität sind, braucht es eine andere Politik: klare Prioritäten, belastbare Finanzierungen und einen verantwortungsvollen Umgang mit den wenigen vorhandenen Spielräumen.
Unsere zentralen Kritikpunkte: