Die Stadt soll jetzt klären, wie ein prägender Ort für Kultur, Vielfalt und Begegnung erhalten werden kann.
Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragt, dass der Fortbestand des Kulturcafés Neruda Thema im nächsten Kulturausschuss sein soll. Die Stadtverwaltung soll dabei bei ihrem Bericht öffentlich über die aktuelle Situation nach dem Tod des Neruda-Gründers Fikret Yakaboylu berichten, bereits geführte Gespräche mit Angehörigen und weiteren Beteiligten darstellen sowie konkrete Perspektiven für die dauerhafte Sicherung dieses Kulturorts aufzeigen.
Auslöser des GRÜNEN Antrags sind Medienberichte, wonach das Kulturcafé Neruda in seinem Fortbestand gefährdet ist. Die Stadtratsfraktion der GRÜNEN will deshalb unter anderem wissen, welche kultur-, gesellschafts- und integrationspolitische Bedeutung die Stadt dem Neruda beimisst, welche Folgen eine Schließung für das Theaterviertel hätte und welche städtischen Mittel in den vergangenen Jahren in das Café geflossen sind. Entscheidend ist aus Sicht der Fraktion nun, dass die Stadt nicht nur den Status quo beschreibt, sondern auch mögliche Unterstützungswege benennt.
„Mit Fikret Yakaboylu verliert Augsburg eine prägende Stimme des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Doch sein Lebenswerk soll bestehen bleiben. Die Stadt muss jetzt offenlegen, welche Gespräche laufen und noch anstehen, welche Optionen es gibt und welchen eigenen Beitrag sie leisten will, damit das Neruda als Kulturort erhalten bleibt“, erklärt Fraktionsvorsitzende Martina Wild.
Das Kulturcafé Neruda ist seit Jahrzehnten weit mehr als ein gastronomischer Betrieb. Mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Diskussionen und den mit ihm verbundenen Kültürtagen hat es das kulturelle Leben der Stadt nachhaltig mitgeprägt. Zugleich ist es ein Ort gelebter Interkulturalität, gesellschaftlicher Teilhabe und des Austauschs zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkünfte.
Serdar Akin, Sprecher für Interkultur der GRÜNEN Stadtratsfraktion,betont: „Das Neruda steht für eine Stadt, in der Kultur nicht nur auf großen Bühnen stattfindet, sondern überall, wo Menschen zusammenkommen, diskutieren und voneinander lernen. Gerade Orte der Interkulturalität und des offenen Austauschs brauchen politischen Rückhalt, weil sie gesellschaftlichen Zusammenhalt im Alltag schaffen. Die Stadt darf nicht abwarten, bis ein solcher Ort verschwindet und sich dann darüber beschweren, sondern muss proaktiv Verantwortung übernehmen. Solche wertvollen Orte verdienen eine ernsthafte Unterstützung.“
Gerade für das Theaterviertel als vielfältiges, sozial durchmischtes Quartier mit Kunst und Kultur ist der Erhalt des Neruda von besonderer Bedeutung, damit kulturelle Orte nicht schrittweise durch Verdrängung und Gentrifizierung verloren gehen.
Mit dem Berichtsantrag soll der Stadtrat zeitnah eine belastbare Grundlage erhalten, um über die Zukunft des Neruda und mögliche Handlungsmöglichkeiten der Stadt beraten zu können.