Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragt die Einrichtung einer zentralen städtischen Vernetzungsstelle für Integrations- und Sprachkurse. Diese soll niedrigschwellig beraten, vorhandene Kursangebote übersichtlich bündeln, freie Plätze und Wartezeiten erfassen und Kursträger, Beratungsstellen, Jobcenter, Arbeitsagentur, BAMF und Stadtverwaltung besser miteinander vernetzen. Ziel ist es, Menschen mit Sprachkursbedarf in passende Angebote zu vermitteln und Versorgungslücken frühzeitig sichtbar zu machen.

Hintergrund sind die geplanten Kürzungen des Bundes bei Integrationskursen sowie die neuen Zugangsbeschränkungen durch die Integrationskursverordnung. Während der Bedarf an Sprachförderung in Augsburg weiterhin hoch ist, drohen weiterhin weniger Mittel, unklare Zuständigkeiten und eingeschränkte Zugänge gerade für diejenigen, die dringend Unterstützung brauchen. Besonders betroffen sind Menschen, die keinen gesicherten Zugang zu bestehenden Integrationskursen haben – darunter viele EU-Bürger*innen ohne ausreichende Deutschkenntnisse.

Martina Wild, Fraktionsvorsitzende der Grünen Stadtratsfraktion: „Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer bei Sprach- und Integrationskursen kürzt, spart an Zukunftschancen. Das schafft neue Hürden und Unsicherheit und ist nicht nur integrationspolitisch völlig falsch. Augsburg kann die Verantwortung des Bundes nicht ersetzen. Aber wir können vor Ort dafür sorgen, dass vorhandene Angebote besser zusammenfinden und Menschen schneller Orientierung bekommen. Gerade jetzt braucht es eine zentrale Anlaufstelle, die Bedarfe sichtbar macht, berät und Angebote steuert und damit die gewachsene Kurslandschaft wie die Menschen in Augsburg stärkt.“

In Augsburg ist der Bedarf an Sprachförderung seit Jahren hoch. Gleichzeitig ist die Kurslandschaft für viele Betroffene schwer zu überblicken – besonders dort, wo Zugänge unsicher oder Förderlücken vorhanden sind.

Serdar Akin, Sprecher für Antidiskriminierung und Interkultur der Grünen Stadtratsfraktion: „Integration gelingt nicht auf dem Papier, sondern im Alltag: im Job, in der Schule, in der Kita, beim Arztbesuch oder im Gespräch mit Nachbar*innen. Wer Sprache ermöglicht, stärkt nicht nur einzelne Menschen, sondern das Miteinander in unserer Stadt. Es hilft niemandem, wenn Menschen arbeiten, sich einbringen oder ihre Kinder gut begleiten wollen, aber an komplizierten Zugängen und fehlenden Kursplätzen scheitern. Eine städtische Vernetzungsstelle wäre ein wichtiger Schritt für reibungsloserer Abläufe, damit Integration in Augsburg besser funktioniert und niemand zwischen den Zuständigkeiten verloren geht. Auch im Sinne der Wirtschaft in Augsburg ist mehr Möglichkeit zum Deutschlernen ein entscheidender Faktor.“

 

Die Grünen fordern die Verwaltung deshalb auf, innerhalb von sechs Monaten ein Umsetzungskonzept vorzulegen. Darin sollen Zuständigkeit, Abgrenzung zu bestehenden Beratungsangeboten, Personal- und Sachmittelbedarf sowie ein Zeitplan für die Arbeitsaufnahme dargestellt werden. Außerdem soll sich der Oberbürgermeister gegenüber Bund und Land für einen verlässlichen, bedarfsgerechten und auskömmlich finanzierten Zugang zu Integrations- und Sprachkursen einsetzen.

Beteiligte Personen