Wer krank ist, gehört nach Hause – nicht wegen eines Attests in volle Wartezimmer.
Die Stadtratsfraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN beantragt, dass die Stadt Augsburg als Arbeitgeberin keine pauschale Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag einführt. Stattdessen soll die bisherige Praxis beibehalten werden: Eine AU muss grundsätzlich erst vorgelegt werden, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert. Damit stellen sich die GRÜNEN gegen die auf Bundesebene diskutierten Verschärfungen bei Krankschreibungen und gegen ein mögliches Aus der telefonischen Krankschreibung.
Aus Sicht der GRÜNEN wäre eine pauschale AU-Pflicht ab Tag eins ein Rückschritt: Sie würde Arztpraxen zusätzlich belasten, Beschäftigte unter Generalverdacht stellen und kranke Menschen mit leichten Infekten unnötig in Wartezimmer schicken. Gerade in Zeiten überlasteter Praxen, hoher Arbeitsbelastung und Fachkräftemangel brauche es Vertrauen, Pragmatismus und weniger Bürokratie – nicht neue Hürden für Beschäftigte und Familien.
Peter Rauscher, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN Stadtratsfraktion Augsburg: „Wer krank ist, gehört ins Bett und nicht für einen reinen Zettel ins volle Wartezimmer. Eine pauschale AU-Pflicht ab dem ersten Tag verlagert administrative Lasten einfach nur auf unsere Arztpraxen, die ohnehin am Limit arbeiten. Moderne Personalpolitik setzt auf Vertrauen und gezielte Unterstützung im Einzelfall, statt die gesamte Stadtverwaltung unter Generalverdacht zu stellen.“
Schon heute kann die Stadt Augsburg im Rahmen der gesetzlichen und tariflichen Möglichkeiten eine AU früher verlangen. Aus Sicht der GRÜNEN reicht dieses Instrument völlig aus, um in begründeten Fällen reagieren zu können. Eine pauschale Verschärfung für alle Beschäftigten würde dagegen vor allem diejenigen treffen, die verantwortungsvoll handeln: Menschen mit Erkältung, Magen-Darm-Infekt oder Eltern mit kranken Kindern.
Corinna Vogelgsang, Stadträtin der GRÜNEN Stadtratsfraktion Augsburg und Mitglied des Ausschuss für Digitalisierung, Organisation, Personal : „Unsere Arztpraxen sind keine Attestfabriken. Wenn Menschen mit leichten Infekten nur für einen Zettel in die Praxis müssen, kostet das Zeit, Nerven und medizinische Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden. Die telefonische Krankschreibung ist ein pragmatisches Instrument, das Beschäftigte, Familien und Praxen entlastet – sie muss erhalten bleiben.“
Mit ihrem Antrag fordern die GRÜNEN außerdem, dass sich Oberbürgermeister Dr. Florian Freund über den Bayerischen und Deutschen Städtetag sowie gegenüber Landes- und Bundespolitik gegen eine gesetzliche Verschärfung der Krankschreibungsregeln einsetzt. Augsburg soll ein klares Signal senden: für Entlastung statt Bürokratie, für Vertrauen statt Generalverdacht und für eine Stadtverwaltung, die ihre Beschäftigten ernst nimmt