Centerville-Nord war ursprünglich eine Wohnsiedlung für in Augsburg stationierte Angehörige der US-Streitkräfte. Die viergeschossigen Zeilenbauten gruppieren sich um eine etwa 26.700 m² große Freifläche („Weltwiese“), die einst als Baseballplatz genutzt wurde. Nach Abzug der Amerikaner in den 1990er Jahren wurde die Anlage, die insgesamt 344 Wohnungen umfasst, von der Wohnbaugruppe Augsburg (WBG) übernommen* und saniert und wird bis heute sozialverträglich vermietet. Nun soll das Areal besser genutzt und neu bebaut werden. Bevor das erforderliche Bauleitplanungsverfahren eingeleitet wird ist ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb vorgesehen. Am 17.02.2021 hat der Bauausschuss diesem Vorgehen einstimmig grünes Licht gegeben.

Zielsetzung des Bauvorhabens

  • Das zentrale Anliegen ist die Schaffung neuen Wohnraums. Durch eine Neubebauung der Fläche können insgesamt rund 1.100 Wohnungen geschaffen werden – also fast eine Verdreifachung des aktuellen Bestands! Insbesondere in Kriegshaber steigt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum stetig. Darauf müssen wir mit passenden Angeboten reagieren. Auch in Zukunft wird in diesem Quartier geförderter bzw. preisgebundener Wohnraum deutlich überwiegen.
  • Die Bestandswohnungen entsprechen nicht ansatzweise heutigen Standards im Hinblick auf Wohnwert, Energiestandard, Schallschutz, Barrierefreiheit etc. Zudem haben alle 344 Wohnungen 3 bis 4 Zimmer auf 100 m², was für viele Haushalte nicht passend ist.
  • Im neuen Quartier sollen besonders die Bedarfe von Familien, Senior*innen, Alleinerziehenden und Alleinstehenden berücksichtigt werden. Auch eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Senior*innen, eine Tagespflege für Senior*innen, eine Kinderbetreuungseinrichtung und ein Jugendcafé sind vorgesehen.
  • Das unmittelbare Wohnumfeld hat ebenfalls großes Entwicklungspotenzial, das entfaltet werden sollte.

Warum werden die alten Gebäude nicht erhalten?

  • Ein Abriss von Gebäuden bedeutet immer auch einen Verlust sog. grauer Energie, weshalb grundsätzlich genau geprüft werden sollte, ob der Abriss wirklich notwendig ist. Im Fall von Centerville-Nord hat eine Untersuchung ergeben, dass eine adäquate Modernisierung unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte nicht möglich ist.
  • Zudem ermöglicht erst eine Neustrukturierung des Areals die Realisierung der genannten Ziele – insbesondere die annähernde Verdreifachung der Wohneinheiten und die Schaffung heterogener, an den Bedarf angepasster Grundrisse. 
  • Mit dem Abriss der Anlage verschwinden auch historische Spuren. Weil diese allerdings in den Nachbarquartieren weiterhin sichtbar sind, halten wir diesen Schritt, v.a. mit Blick auf die dringend gebotene Schaffung neuen Wohnraums, für gerechtfertigt.
  • Übrigens ist auch ein Umzug der Bewohner*innen ohne Zwischenlösung möglich, denn das Bauprojekt soll in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, so dass die Umzüge schrittweise erfolgen können.

Warum soll die “Weltwiese” in Teilen bebaut werden?

Nach dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept für Kriegshaber aus dem Jahr 2014 “soll die ‘Weltwiese’ erhalten bleiben bzw. im Fall einer Nachverdichtung in diesem Bereich sollen die Grünbezüge erhalten bleiben”. Aus folgenden Gründen erscheint eine Anpassung dieser Zielsetzung vertretbar bzw. sogar geboten:

  • Die „Weltwiese“ ist momentan eine ungegliederte Rasenfläche mit geringem Mehrwert für Ökologie und Freizeitnutzung. An den Rändern wachsen vereinzelt Bäume.
  • Im Rahmen des landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbs sollen „neue differenziert nutzbare und vielfältige Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität und gleichzeitig ökologischem Nutzen“ geschaffen werden, „die zentral im Wettbewerbsgebiet verortet zur Identifikation mit dem Quartier beitragen“.
  • Zur Steigerung des ökologischen Mehrwerts sollen gezielt Maßnahmen zur Förderung von Biodiversität (z.B. Biotopverbund durch Verknüpfung mit Westpark) umgesetzt werden. Außerdem sollen Flächen entsiegelt und Retentionsräume für Niederschlagswasser geschaffen werden. Der Grünflächenverlust soll also durch eine qualitative Verbesserung kompensiert werden.
  • Von den derzeit ca. 26.700 m² „Weltwiese“ bleiben ca. 22.000 m² erhalten. Der gemessen an der signifikanten Erhöhung des Wohnraumangebots relativ geringe Grünflächenverlust hängt mit einer flächensparenden Bauweise (u.a. maßvolle Erhöhung von Bebauungsdichte und Gebäuden) zusammen.

Mobilitätskonzept

  • Im heutigen Centerville-Nord beanspruchen nach amerikanischem Vorbild eine überbreite Straße und zahlreiche Autostellplätze enorm viel Platz. Künftig soll eine Durchfahrt nicht mehr möglich sein, um die Verkehrsbelastung im Quartier zu verringern. Stattdessen sollen drei bis vier oberirdische Quartiersgaragen den Parkverkehr bündeln. Es gilt ein Stellplatzschlüssel von 0,7 / Wohneinheit.
  • Das Quartier ist über die Buslinie 32 an den ÖPNV angeschlossen. Das Neubauprojekt unterstreicht die Bedeutung der Linie 5, welche Centerville Nord mit Innenstadt, Hauptbahnhof und Universitätsklinikum verbinden wird.
  • Auch Fuß- und Radwegverbindungen sollen ausgebaut werden.
  • Ein angemessenes Sharing-Angebote (Rad; Lastenrad und Auto) soll das nachhaltige Mobilitätskonzept abrunden.
  • Nach aktuellem Planungsstand sind 2.300 Fahrradstellplätze vorgesehen. Wie viele Lastenrad-Stellplätze es geben wird hängt auch von der neuen Stellplatzsatzung ab, die infolge des Vertrags zwischen Stadt und dem Aktionsbündnis “Fahrradstadt jetzt” demnächst zum Beschluss ansteht.

* Auf dem Areal befinden sich außerdem noch zwei Reihenhausgruppen mit 4 bzw. 9 Wohneinheiten in Privateigentum und die katholische Kindertagesstätte „St. Thaddäus“ auf einem von der Stadt Augsburg im Erbbaurecht vergebenen Grundstück.

 

Beteiligte Personen