Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die Stadt Augsburg hat in der Vergangenheit bereits eine mit unabhängigen Expert*innen besetzte Kommission für Erinnerungskultur eingesetzt. Diese befasste sich mit zentralen Fragen des städtischen Erinnerns und Gedenkens, insbesondere mit historisch belasteten oder umstrittenen Straßennamen sowie mit der angemessenen Einordnung von Personen, Ereignissen und Begrifflichkeiten im öffentlichen Raum.
Die Stadtratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stellt daher folgenden Antrag:
Die Stadt Augsburg nimmt die regelmäßige Arbeit der städtischen Kommission für Erinnerungskultur wieder auf. Die Kommission soll erneut mit fachlich ausgewiesenen Expert*innen besetzt werden und den Stadtrat sowie die Stadtverwaltung bei grundlegenden Fragen der Erinnerungskultur beraten.
Diese soll sich weiterhin insbesondere mit historisch umstrittenen Straßennamen im Augsburger Stadtgebiet auseinandersetzen und Empfehlungen für deren weiteren Umgang erarbeiten. Das in der letzten Legislaturperiode erarbeitete Portfolio an zu betrachtenden Namen ist dabei weiterzubearbeiten. Dabei sollen sowohl mögliche Umbenennungen als auch geeignete Formen der historischen Kontextualisierung geprüft werden, wie beispielsweise bei der August-Wessels-Straße.

Darüber hinaus wird in der Kommission entsprechend dem Stadtratsbeschluss vom 30.04.2026 über den Oberbegriff des “Augsburger Weges” diskutiert und dem Stadtrat ein Vorschlag zur Entscheidung vorgelegt, der die unterschiedlichen Argumente nachvollziehbar darstellt. Im Rahmen dieses Prozesses sollen zudem die betroffenen Opfergruppen sowie deren Vertreter*innen um Stellungnahmen gebeten werden, um eine ausgewogene und für die Stadtgesellschaft tragfähige Entscheidung zu ermöglichen.

Begründung

Bereits im Jahr 2014 hat Augsburg die Kommission Erinnerungskultur ins Leben gerufen, die mit Fachexpert*innen sowie Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft besetzt ist.  Stadträt*innen jeder Fraktion waren ebenfalls vertreten.

Auch heute gilt: Erinnerungskultur ist keine abgeschlossene Aufgabe. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, gesellschaftliche Debatten und veränderte Perspektiven machen eine kontinuierliche fachliche Auseinandersetzung erforderlich. Dies betrifft insbesondere den Umgang mit historisch belasteten Straßennamen, Denkmälern und Begrifflichkeiten im öffentlichen Raum. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen ist dabei eine wesentliche Grundlage politischer Bildung und demokratischer Erinnerungskultur. Sie stärkt die Fähigkeit zu historischer Einordnung, gesellschaftlicher Verantwortung, Toleranz und Zivilcourage.

Eine unabhängige und interdisziplinär besetzte Kommission kann dabei gewährleisten, dass entsprechende Entscheidungen nicht punktuell oder ausschließlich politisch getroffen werden, sondern auf einer transparenten, wissenschaftlich fundierten und nachvollziehbaren Grundlage beruhen. Ihre Arbeit kann zugleich dazu beitragen, lokale Vereine, Initiativen, Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen miteinander zu vernetzen und die Augsburger Erinnerungskultur dauerhaft weiterzuentwickeln.

Mit freundlichen Grüßen

Beteiligte Personen